Ankunft in Senegal

Gegen zwei Uhr nachts kamen wir nach vier Stunden Flug am Flughafen in Dakar an. Noch im Flugzeug wurden wir Zeugen, dass sich hier der Umgang miteinander von dem Gewohnten unterscheidet.

Kurz vor dem Aussteigen sind eine mittelalte Frau und ein ebensoalter Herr wohl in einen Streit geraten, kein Wunder bei der Enge und Hecktick, die entsteht, wenn das Flugzeug zum Stehen kommt und jeder so schnell wie möglich raus will. Jedenfalls führten beide ihren Streit lautstark und mit nicht enden wollenden Redeschwallen von beiden Seiten ohne erkennbare Pausen im Argumentationsaustausch aus. Ununterbrochen redeten beide gleichzeitig aufeinander ein, bis der Mann sich unter Schimpfen entfernte und den Streit so beendete.

Dann strömten wir alle aus dem Flieger hin zur Passkontrolle. Ein wenig Hauen und Stechen gehört dabei dazu, um einen guten Platz in der sich bildenden Schlange zu ergattern und nicht nach hinten durchgereicht zu werden. Da waren Europäer und Afrikaner gleich im Verhalten. Dann die Freude, direkt hinter der Passkontrolle stand schon Souleymane Tamba, ein Vereinsmitglied, das ich schon vor zwei Jahren hier kennengelernt hatte. Aber wie hatte er es dorthin geschafft?

Als wir durch die recht harsche Passkontrolle mit einsilbiger Ausfragung (z. B. „Adresse?“ laut rausgeschrien war die höfliche Frage nach „Wo werden Sie während Ihres Aufenthaltes im Senegal wohnen?“) gelangt waren, fielen Souleymane und ich uns in die Arme. Er begrüßte noch meinen Sohn, dann führte er uns in einen Nebenraum hinter der Passkontrolle, ein großer Raum mit Sesseln und Sitzgelegenheiten an beiden langen Wänden, ein laufender Fernseher und eine Klimaanlage, sonst recht kahl, also nur Raum.

Hier trafen wir auf unsere deutsche Reiseführerin und einen weiteren Teilnehmer des Programms, sowie auf Amadou Badji, dem Vorsitzenden des Vereins Forêt Internationale. Der nichtdeutsche Teilnehmer wurde nicht ins Land gelassen, da er entgegen der zuvor gegebenen Information nun doch ein Visum brauche. Der Verein versucht gerade alles, mit Unterstützung der Universität von Dakar die Einreise zu ermöglichen. Unsere Reiseführerin bleibt derweil im Flughafen an seiner Seite, bis eine Lösung gefunden ist. Wir ließen den beiden ein paar mitgebrachte Lebensmittel da, dann gingen wir, unsere Koffer aufzulesen.

Mit Amadou verließen wir dann den Flughafen. Vor zwei Jahren war das noch ein anstrengendes Unterfange, da man sich durch Massen von Leuten, Taxifahrern, Geldwechslern, Guides usw. kämpfen musste, die alle ihre Dienste anboten. Ein neuer Zaun zur Trennung der Ankommenden von den Wartenden hat diese Situation nun entspannt.

Draußen angekommen führte Amadou trotzdem eine vertraute Verhandlung mit einem Taxianbieter, indem er völliges Desinteresse an seinen Diensten zeigte, dieser aber nicht aufhörte, auf ihn einzureden. Nach wenigen Argumenten gab es dann eine Einigung, aber wir wurden zu einem anderen Taxifahrer geführt. Die Auswahl führte wohl zu Missmut bei einem anderen dort wartenden Kollegen, der die Fahrt noch abluchsen wollte, dagegen haben wir uns mit Sturheit erwähnen können.

Wir fuhren dann in die Stadt zu unserer Unterkunft, soweit ich weiß ein von Mönchen geführtes Haus. Ein kahles Zimmer mit zwei Betten, einem Bad mit Toilette und Dusche, ein Kreuz an der Wand, alles prima. Ein Ventilator sorgt auch für etwas Bewegung in der feuchten Luft. Dass die Spülung der Toilette nicht geht und durch einen Eimer Wasser ersetzt ist, sehen wir eher als Luxusproblem. Auch dass die Unterkunft in der Einflugschneise des Flughafens liegt stellt kein Problem dar, es sind nur wenige Flugzeuge, die über uns drüber fliegen. Wir fanden trotzdem einen erholsamen Schlaf.

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